Einen stabilen Frieden machen




Vorwort

Die Auseinandersetzungen im Nahen Osten des vergangenen Jahres brachten unglaubliche Gefuehle der Feindschaft zwischen Juden und Arabern dieser Region an die Oberflaeche. Diese Feindschaft drueckt sich auf beiden Seiten brutal aus: Mord an palaestinensischen Zivilisten durch israelische Soldaten und Siedler, blutiger Terror gegen die israelische zivile Bevoelkerung durch palaestinensische Fanatiker. Solch schwer verstaendliches Benehmen, das immer am Rande von gewalttaetigen nationalen Konflikten geschieht, rast noch einmal durch den Nahen Osten.

Es gibt keinen Zweifel ueber gewisse Fakten: Israel, der juedische Staat, unterdrueckt das arabische, meist muslimische, palaestinensische Volk Innerhalb Israel wird die grosse arabisch-palaestinensische Minoritaet (fast 20%) von allen Regierungen als Buerger 2. Klasse behandelt: immer diskriminiert, immer beargwoehnt, immer von den Behoerden, der Polizei, schlecht behandelt. Sie leidet unter rassistischer Haltung der Majoritaet.
Die juedische Bevoelkerung ist aber nur eine kleine Minderheit unter einer meist arabischen, muslimischen Bevoelkerung im Nahen Osten.

Israel ist seit seiner Gruendung vom Establishment der intellektuellen Elite aller arabischen Laender, einschliesslich Jordaniens und Aegyptens, boykottiert worden, obwohl die beiden namentlich genannten Laender einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen haben.

Im sog, Heiligen Land beanspruchen fanatische juedische und muslimische Fundamentalisten alleine die Besitzrechte ueber Plaetze, die beiden heilig sind.
Was ist die allgemeine Grundlage dieser Fakten? Wie koennen wir das manchmal total wahnsinnige Benehmen verstehen? Und vor allem, was kann getan werden, um all dies zu veraendern?

Frieden machen  aber wie?

Wenn man von ausserhalb den Friedensprozess nur eine kurze Zeit lang beobachtet, scheinen die Dinge sehr einfach zu sein. Zunaechst muss ein formeller Vertrag zwischen der einen Seite und den arabischen Laendern und dem palaestinensischen Volk auf der andern Seite unterschrieben werden. Dann sollten Palaestinenser, Jordanier, Aegypter ua. zusammengebracht werden, um Geschaefte zu machen und um Dialoge auf moeglichst vielen Ebenen zu fuehren. Dies wuerde wirtschaftliche Interessen wecken und Beziehungen vertiefen, gegenseitiges Vertrauen aufbauen und schliesslich wuerde ein wirklicher Friede diese gequaelte Region heimsuchen.
Leider liegen die Dinge nicht so einfach wie gerade geschildert.

Der politische Konflikt zwischen dem Staat Israel und den es umgebenden arabischen Laendern und Voelkern ist nur das, was auf der Oberflaeche erscheint. Wenn man tiefer zu den vergifteten Wurzeln dieses 100 Jahre langen Konfliktes graebt, werden wir eine tiefe kulturelle Fremdheit zwischen dem juedischen und den arabischen Voelkern finden, die so nah beieinander leben. Die Mehrheit der Juden in Israel sehen die Araber, alle Araber, im Vergleich zu sich selbst als geringer an und verachten sie. Die grosse Mehrheit des arabischen Volkes, egal welcher Nationalitaet, sieht die Juden, besonders die europaeischen Ursprungs, als Fremde an, die frueher oder spaeter wieder aus der Region verschwinden. Die Folge dieser Situation ist, dass einerseits das juedische Volk in Israel sich in einem Dauerzustand der Angst befindet und andererseits die arabischen Voelker des Nahen Ostens allein durch die Existenz des juedischen Staates mit einem staendigen Gefuehl der Demuetigung.

Diese allgemeinen Ansichten ueber einander, an denen die beiden Voelker festhalten, bringen Fremdheit, Misstrauen, Furcht und Hass auf beide Seiten. Selbst unter hingebungsvollen Unterstuetzern des Friedensprozesses besteht ein tiefes Fremdheitsgefuehl, und nur eine kleine Minderheit hat irgendwelche Verbindung mit Personen der andern Seite. Natuerlich gehoeren die meisten von ihnen zur Elite ihrer Gesellschaft. Die grosse Mehrheit beider Voelker ist sich voellig fremd.


Was sollte man also tun?

Da die Vorbedingung fuer einen dauerhaften Frieden Versoehnung miteinander wre, muessen wir uns darueber im klaren sein, dass dies das wirkliche Problem ist, mit dem wir uns auseinandersetzen muessen. Das heisst, zusaetzlich zu politischen Verhandlungen und wirtschaftlicher Zusammenarbeit, muss man Araber und Juden dahingehend vorbereiten, dass sie sich gegenseitig kennen lernen. Ohne Vertrauen koennen keine politischen Verbindungen aufgebaut werden. Die Grundlage fuer den Aufbau von Vertrauen ist Kenntnis des andern. Solche Kenntnisse koennen durch Begegnung, Dialog und Lernen erreicht werden. Dieser Prozess sollte die Schaffung eines hilfreichen Umfeldes fuer den Dialog einbeziehen, gleich grosse Gruppen beider Bevoelkerungsgruppen beteiligen, die Einrichtung eines volkstuemlichen Rahmens und die Vorbereitung von lokalen Fuehrungskraeften, die solch einen Dialog moeglich machen. In andern Worten eine wesentliche Vorbedingung fuer die Schaffung eines wirklichen Friedens ist die Erziehung zur Kultur des Friedens. Diese Erziehung sollte mit der Jugend beginnen. Die junge Generation soll die Werte weitertragen, auf deren stabiler Grundlage man eine bessere Zukunft bauen kann.

Die Dinge liegen aber noch schwieriger

Tatsaechlich gibt es enorme Hindernisse auf dem Weg, allein eine kleine Anzahl von israelisch-juedischen Jugendlichen und arabischen Jugendlichen von ausserhalb Israel zusammen zu bringen. Dies koennte nur gelegentlich gemacht werden. Ein Teil der Schwierigkeiten ist technischer und politischer, der groessere Teil psychologischer Art. Tatsaechlich koennen wir feststellen, dass der einzig praktische Weg der ist, den Erziehungsprozess in Richtung Frieden und Versoehnung unter der Jugend durch andauernde und beharrliche paedagogische Aktivitaeten zu beginnen

Sind die juedisch-arabischen Beziehungen in Israel nicht nur ein internes Problem dieses Landes?

Ganz sicher nicht!

Die juedisch-arabischen Beziehungen innerhalb Israels beinhalten alle Elemente des viel weiteren juedisch-arabischen Konfliktes, doch auf einer irgendwie sanfteren Ebene. Die israelischen Araber sind ein untrennbarer Teil des palaestinensischen Volkes. Dank verschiedener politischer, psychologischer und praktischer Gruende koennen junge in Israel lebende Araber und Juden trotz der grossen Fremdheit und dem gegenseitigen Misstrauen (hervorgerufen durch die fast voellige Trennung der beiden Gemeinschaften; sogar die beiden Schulsysteme sind getrennt) verhaeltnismaessig leicht zueinander gebracht werden. Bei der Teilnahme an fortlaufenden Lehraktivitaeten im multikulturellen Rahmen ( von NGOs), der in Israel besteht, lernen junge Juden arabische Kultur zu achten, gewoehnen sich an das Treffen und Reden mit jungen Arabern. Sie gehen durch einen Prozess der Vertrauensbildung, erfahren positive Koexistenz und nach einer gewissen Zeit sind sie bereit, mit jungen Leuten der anderen Kultur zusammenzuarbeiten, was auf Verstehen, Achtung, Toleranz und Gleichheit beruht. Genau so ist es auch fuer die arabischen Teilnehmer. Bei ihnen kommt noch etwas Unschaetzbares hinzu: sie sind ein Teil des palaestinensischen Volkes, das Familienbande und andere starke Verbindungen zur Bevoelkerung der Autonomiegebiete und nach Jordanien hat. So wird ihnen bewusst, dass sie die bestmoeglichsten Mentoren der arabisch-juedischen Koexistenz und Versoehnung innerhalb ihres Volkes waeren.
Unsrer Meinung nach gibt es keinen Ersatz fuer den Aufbau fundamentaler Elemente fuer eine Friedenskultur" im Nahen Osten ausser durch juedisch-arabische Jugendaktivitaeten innerhalb Israels. Natuerlich sollten gelegentliche Treffen zwischen Jugendlichen aus Israel und der palaestinensischen Autonomiebehoerde stattfinden, man sollte sich aber darueber im Klaren sein, dass der Einfluss auf Beziehungen der beiden Voelker unter einander marginal bleiben.

So  ist dies also der Weg zum Frieden?

Nun zusaetzlich zu den politischen und wirtschaftlichen Fakten ist er es tatsaechlich. Beinahe ....Da gibt es wenigstens noch ein grosses Hindernis auf der Strasse des Friedens:
Wenn wir unter die Oberflaeche der israelischen Gesellschaft graben, werden wir einer sehr bitteren Ueberraschung ins Auge sehen muessen und zwar in puncto Demokratie und Menschenrechte. Israel wird als das einzige wirklich demokratische Land im Nahen Osten" betrachtet. Tatsaechlich ist es das auch, aber vor allem im streng politischen Sinn. Nach verschiedenen sehr ernsthaften in den vergangenen fuenf Jahren in Israel veroeffentlichten Untersuchungen hat ein erschreckender Teil der juedischen Bevoelkerung - ganz zu schweigen von der Jugend  weder die demokratischen Werte noch einen Glauben an die besondere Bedeutung von Frieden und Menschenrechten verinnerlicht. Die Ergebnisse sind noch beunruhigender, wenn man auf den religioesen Sektor der Bevoelkerung schaut.

Folgerungen

1.Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen (NGO)

In der augenblicklichen Situation wuerde die israelische Regierung, selbst wenn sie mit intoleranten, antidemokratischen und rassistischen Trends innerhalb seiner Bevoelkerung fertig werden wuerde, grosse Schwierigkeiten haben. Die Situation wird sogar schwieriger, da die Regierung nicht nur diese Trends vernachlaessigt, sondern sie mit seiner Politik manchmal geradezu naehrt. Unter solchen Umstaenden wird die Arbeit lokaler NGOs unschaetzbar. Unter normalen Bedingungen spielen NGOs fuer Regierungsaktivitaeten eine unterstuetzende Rolle. So ist es, wenn direkte soziale Aktivitaeten notwendig sind. NGOs haben Zugang zu Leuten, zu denen Regierungsdienststellen fast keinen Kontakt haben. Wenn die Oeffentlichkeit, das Establishment und sogar die Regierung selbst durch fatale Argumente ueber den Weg zum Frieden geteilt ist, auch ueber des Preis des Friedens, den Charakter der Gesellschaft und ueber die Moeglichkeit von Versoehnung mit dem gegenwaertigen Feind, dann ist die Bedeutung von NGOs enorm, da sie Experten sind in Friedenspaedagogik, inter-ethnischem Dialog, von Menschenrechten und friedlicher Konfliktloesung  etc  Durch direkten Kontakt mit verschiedenen Teilen der Bevoelkerung, haben sie die besten Voraussetzungen, um aggressiven, antidemokratischen, rassistischen und radikal nationalen Einfluessen, die von Fanatikern unters Volk gebracht werden, entgegenzuwirken.

2.Ein Weg, um positive Einstellungen in Israel und Palaestina voranzubringen

Auf dem Weg zu einer positiven Aenderung der oeffentlichen Meinung gibt es fuer eine fortdauernde, regelmaessige Arbeit von NGOs keinen Ersatz. In der gegenwaertigen Situation moegen solche NGOs eine bedeutsame Rolle haben, um in der oeffentlichen Meinung notwendige Veraenderungen in Richtung Frieden und Versoehnung voranzubringen. Diese harte und verantwortliche Arbeit braucht Beharrlichkeit und Erfahrung, was nicht alle NGOs haben. Der Einfluss gelegentlicher Projekte und Veranstaltungen, seien sie auch noch so attraktiv, ist begrenzter als andauernde, tiefgehende Aktivitaeten auf sozialer, wirtschaftlicher und paedagogischer Ebene. Solche Projekte zu unterstuetzen, ist der beste Weg von ausserhalb Einstellungen zu Frieden, Toleranz und Demokratie im Nahen Osten zu beguenstigen.

Epilog

Die Moeglichkeit eines undemokratischen, fanatischen Israel bedeutet eine wirkliche Gefahr fuer den Frieden im Nahen Osten und der Welt. Wie wir sehen koennen, sind undemokratische ja sogar anti-demokratische und rassistische Trends in der israelischen Bevoelkerung ziemlich stark  ja sie nehmen sogar zu. Die demokratischen Kraefte staerken, gegen die anti-demokratische Einstellung kaempfen und vor allem die Erziehung zu Demokratie und Toleranz, die Pflege des interkulturellen Dialogs und der Einsatz fuer die Menschenrechte sind von lebensnotwendigem Interesse fuer jeden, der sich um die Zukunft dieses Landes und dieser Region Sorgen macht.

Dies kann am effektivsten durch gemeinsame israelisch-arabische Aktivitaeten der Jugend geschehen.


Das Freundschaftsdorf                            
Übersetzt von Englisch durch Frau Ellen Rohlfs